Kohlenhydrate und Heilungserfolg bei Darmkrebs: Eine Korrelation

In einer klinischen Studie in den USA sind mehr als tausend Patienten mit Darmkrebs im selben Stadium (III, mit Lymphknotenbefall) mit Chirurgie und Chemotherapie behandelt worden. Während der Behandlung und ein halbes Jahr danach sind sie zu ihrer Ernährung befragt worden. Bei den Patienten mit dem geringsten Konsum von Kohlenhydraten kam es in der Folge zu deutlich weniger Rückfällen und verbesserten Überlebensraten [1].

Die Patienten hatten im Rahmen einer öffentlich geförderten Untersuchung verschiedener Chemotherapieansätze detaillierte Fragebögen zu ihrer Ernährung und anderen Aspekten ihrer Lebensweise ausgefüllt. Die Behandlung fand zwischen 1999 und 2001 statt. Eine erste im Jahr 2006 veröffentlichte Analyse der Fragebögen und der Krankengeschichte hatte bereits ergeben, dass Patienten mit mehr sportlicher Betätigung ein verringertes Risiko für einen Rückfall hatten [2]. In einer weiteren Analyse wurde 2007 festgestellt, dass Anhänger einer „westlichen“ Ernährung (western diet) ein deutlich höheres Risiko für eine Rückkehr der Erkrankung hatten als Patienten mit einer „weisen“ (prudent) Ernährung [3]. Weise heißt tendenziell mehr Obst, Gemüse, Vollkorn und Fisch und Geflügel, westlich heißt unter anderem mehr rotes und verarbeitetes Fleisch, Fett, raffiniertes Mehl und Süßigkeiten. Ziel der neuen Arbeit war es zu „verstehen, welche Komponente eines westlichen Ernährungsmusters mit einem schlechteren Krankheitsverlauf verknüpft ist“ [1].

Bei den 20 Prozent Patienten mit dem höchsten Konsum von Kohlenhydraten oder der höchsten glykämischen Last traten Rückfälle knapp doppelt so häufig auf wie bei den 20 Prozent Patienten mit dem geringsten Konsum. Dabei gab es kaum einen Unterschied zwischen Patienten, die sich eher weise, oder eher westlich ernährten. Der Effekt war besonders deutlich bei Patienten mit Übergewicht und Fettleibigkeit, hier lag das Risiko mehr als doppelt so hoch. Bei Patienten mit einem BMI unter 25 war die Korrelation nicht signifikant.

Die Autoren eines begleitenden Kommentars [4] betrachten diese Ergebnisse im Kontext mit den Erkenntnissen zum erhöhten Zuckerstoffwechsel der Tumoren. Die klinischen Befunde seien „konsistent mit vielfältigen molekularen und biochemischen Beobachtungen“. Einerseits liefere der erhöhte Blutzuckerspiegel einer Ernährung mit hoher glykämischer Last „mehr Energie und Bausteine für das Tumorwachstum“. Andererseits wirke der erhöhte Insulinspiegel als Wachstumsmotor. Stark erhöhte Insulinspiegel als Folge von „hoch glykämischer Ernährung“ treten vorwiegend bei übergewichtigen Menschen auf, auch das passe zu den klinischen Beobachtungen.

Reichen die Ergebnisse dieser Studie aus, um Patienten konkrete Ernährungsempfehlungen zu geben? Eine Antwort auf die Frage „Was kann ich tun um zu verhindern, dass mein Krebs zurück kommt?“ zu geben? Das sei eine der „einfachsten“ Fragen von Krebspatienten, heißt es in dem Kommentar. Die Autoren bleiben vorsichtig, denn bisher sind nur Korrelationen beobachtet worden, aber kein ursächlicher Zusammenhang. Sie plädieren aber vehement für die Durchführung aussagekräftiger klinischer Versuche, weil aus ihrer Sicht der Effekt der Kohlenhydrate auf das Tumorwachstum absolut plausibel erscheint.

Auch die Autoren der Studie selber sehen Möglichkeiten, über Modifikationen der Ernährung die Überlebensraten der Patienten zu verbessern. Noch sei aber nicht bewiesen, dass eine Reduktion der glykämischen Last und der Kohlenhydrate insgesamt während der Behandlung zu einer Verbesserung des Therapieerfolgs führen könnte, wie es ihre Beobachtungsstudie nahelegt. Beispielsweise könnte es auch sein, dass die Ernährung vor der Erkrankung entscheidend war. Wahrscheinlich hatten die Patienten auch vorher ähnliche Ernährungsgewohnheiten, und so könnten eine hohe glykämische Last und viel Kohlenhydrate zur Entstehung von „biologisch mehr aggressiven Tumoren“ geführt haben.

Bei allen Unsicherheiten: es scheint durchaus „weise“ zu sein, die glykämische Last und den Anteil der Kohlenhydrate in der Ernährung zu reduzieren.

1.    Meyerhardt, JA, Sato, K, Niedzwiecki, D, Ye, C, Saltz, LB, Mayer, RJ, Mowat, RB, Whittom, R, Hantel, A, Benson, A, Wigler, DS, Venook, A, Fuchs, CS (2012) Dietary Glycemic Load and Cancer Recurrence and Survival in Patients with Stage III Colon Cancer: Findings From CALGB 89803. J Natl Cancer Inst Nov 7 (abstract)
2.    Meyerhardt, JA, Heseltine, D, Niedzwiecki, D, Hollis, D, Saltz, LB, Mayer, RJ, Thomas, J, Nelson, H, Whittom, R, Hantel, A, Schilsky, RL, Fuchs, CS (2006) Impact of physical activity on cancer recurrence and survival in patients with stage III colon cancer: findings from CALGB 89803. J Clin Oncol 24:3535-41
3.    Meyerhardt, JA, Niedzwiecki, D, Hollis, D, Saltz, LB, Hu, FB, Mayer, RJ, Nelson, H, Whittom, R, Hantel, A, Thomas, J, Fuchs, CS (2007) Association of dietary patterns with cancer recurrence and survival in patients with stage III colon cancer. Jama 298:754-64
4.    Meropol, NJ, Berger, NA (2012) Colon Cancer Recurrence: Insights From the Interface Between Epidemiology, Laboratory Science, and Clinical Medicine. J Natl Cancer Inst Nov 7 (Auszug)

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