Keto: Mehr Schaden als Nutzen?

Zwei Mediziner stellen in einer im September in dem Fachorgan für komplementäre Onkologie, „Deutsche Zeitschrift für Onkologie„, erschienenen Analyse das Konzept einer ketogenen Ernährung für Krebspatienten in Frage [1]. Diese Ernährung soll die Lebensqualität nicht fördern, sondern verringern, der Effekt auf das Tumorwachstum soll eher fördernd als hemmend sein. Was ist davon zu halten?

Dr. med. Ludwig Manfred Jacob, Gesellschafter der Dr. Jacob’s Medical GmbH, und Dr. med. Nicole Weis, Redakteurin von „Deutsche Zeitschrift für Onkologie“, kritisieren in ihrem Artikel „Krebszellen mögen Zucker, aber noch mehr lieben sie Fett und tierisches Eiweiß“ ganz gezielt die Aussagen und Empfehlungen in „Krebszellen lieben Zucker, Patienten brauchen Fett“. Sie sehen keinerlei Nutzen, sondern ausschließlich Schaden einer ketogenen Ernährung. Zumal es sich bei der empfohlenen Ernährung wegen einer höheren Proteinzufuhr gar nicht um eine „echte ketogene Diät“ handele, sondern um eine „Fett-Tierprotein-Kost“.

Ihre wesentlichen Argumente im Einzelnen:

„Insulin wirkt stark anabol und fördert damit nicht nur Fettstoffwechselstörungen und Adipositas, sondern auch die Krebsentstehung und Tumorproliferation“. Unter der Überschrift „Steak setzt deutlich mehr anaboles Insulin frei als Pasta al dente“ machen sie dafür den Konsum von Protein – genauer: Tierprotein – verantwortlich. Empfehlungen zur Reduktion der Kohlenhydrate in der Nahrung seien daher gefährliche „pseudowissenschaftliche Ratschläge“. Diskussion

Unter der Überschrift „Krebszellen mögen Zucker, aber lieben Fett“ wird festgestellt: „Krebszellen lieben Fett als energiereichsten Nährstoff und bevorzugen ihn zu ihrer Energiegewinnung“. Deshalb wirke eine fettreiche Ernährung „krebsfördernd und stoffwechselschädigend“. Diskussion

Unter der Überschrift „Die angeblich ketogene Antikrebsdiät“ werden die Ergebnisse der Würzburger Studie zur ketogenen Ernährung bei Krebs [2] in Frage gestellt. Die Ernährung soll zu einer Verringerung der Lebensqualität und Gewichtsverlust geführt haben. Generell „erleiden“ Patienten mit einer derartigen Ernährung „eine Reduktion der Lebensqualität, Stoffwechselstörungen, Fressattacken, Depressionen und auf Dauer häufig eine unerwünschte Gewichtszunahme, die das Krebsgeschehen fördert“. Diskussion

Falls die Argumente der beiden Mediziner stichhaltig sind, steht tatsächlich das gesamte im Buch dargestellte Konzept in Frage. Nach unserer Meinung sind sie das jedoch nicht, wie in den einzelnen Diskussionen dargelegt. Ganz im Gegenteil stellt sich die Frage, auf welchen Fakten die Aussagen von Jacob und Weis beruhen. Diskussion

1.    Jacob, L, Weis, N (2012) Krebszellen mögen Zucker, aber noch mehr lieben sie Fett und tierisches Eiweiß. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 44:109-118
2.    Schmidt, M, Pfetzer, N, Schwab, M, Strauss, I, Kammerer, U (2011) Effects of a ketogenic diet on the quality of life in 16 patients with advanced cancer: A pilot trial. Nutr Metab (Lond) 8:54

Ein Gedanke zu “Keto: Mehr Schaden als Nutzen?

  1. Guten Tag,

    als HP beschäftige ich mich schon lange mit dem Thema Ernährung und Krankheiten. Als ich das Buch zuerst sah – vor allem das Titelbild – dachte ich zuerst auch „Oh, Gott, jetzt propagieren die einen Schinken-Käse-Diät für Krebspatienten“.

    Immerhin warnen ja eine ganze Reihe Studien der letzten Jahre vor hohem Fleischkonsum, wobei nicht klar ist, ob es das Fleisch ist, das einen Risikofaktor darstellt – oder die Bedingungen unter denen dieses Fleisch heute „produziert“ wird (Stichwort Zusammensetzung der Fettsäuren).

    Normalerweise rate ich Krebspatienten zu hohen Gemüseverzehr, insbesondere Kreuzblütlern und den anderen Gemüsearten mit „krebshemmenden“ Polyphenolen. Beim Fleisch rate ich eher zur Zurückhaltung, während ich „gute Fette“ schon immer empfohlen habe.

    Das Buch suggerierte mir also zuerst ein falsches bzw. einseitiges Bild. Vielleicht ein Hinweis an die Autoren, sonst lesen viele (vor allem männliche) Patienten eine „Steak mit Salat“-Ernährung heraus.

    Nach der Lektüre des Buches sehe ich aber die Vorteile der ketogenen Ernährung überwiegen. Auch im Bereich Alzheimer gibt es ja Erfahrungsberichte. Und die Wirkung auf Insulinresistenz kann ich sowohl durch Patienten, als auch durch eigenen Erfahrungen bestätigen. Eine Bekannte mit Insulinresistenz (HOMA-Index 4,3) – deutlich erhöhte Nüchterinsulinspiegel – hat vor einigen Monaten auf LOGI umgestellt. Seither hat sich das Insulin fast normalisiert (HOMA 3,0) und auch das HbA1c sinkt – allerdings langsam. Und das, obwohl sie sich – legt man die Empfehlungen der DGE – zugrunde ganz „falsch“ ernährt (viel Olivenöl, Leinöl, natives Kokosfett, dazu Eier, ab und an Käse, gutes Fleisch (Wild und Bio-Rind, sowie Bio-Huhn). Allerdings auch sehr viel Gemüse und etwas Obst zum Frühstück.

    Hier ist die Wirkung definitiv belegt (Laborkontrolliert).

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