Fett und Krebs – genau hinschauen

Bei Spiegel online und in anderen Medien war zu lesen, dass eine fettreiche Nahrung während der Schwangerschaft das Krebsrisiko für die Nachkommen steigert. Es handelte sich um eine Studie mit Ratten [1].

Trotzdem war beispielsweise zu lesen: „Was eine schwangere Frau isst, kann das Brustkrebsrisiko ihrer Nachkommen noch über mehrere Generationen beeinflussen.“. Natürlich ist es unzulässig, die Ergebnisse von Tierversuchen so ohne weiteres auf Menschen zu übertragen. Prinzipiell liefern diese Experimente aber einen weiteren Beleg, dass die Ernährung einen Einfluss auf die Gesundheit der Nachkommen haben kann. Beim Menschen sind wohl am besten untersucht die Effekte der Hungersnot in Holland während des zweiten Weltkriegs auf die Kinder der in dieser Zeit schwangeren Frauen.

Die offensichtliche Frage lautet nun: wenn Fett bei schwangeren Ratten das Risiko für Brustkrebs bei den Nachkommen erhöht, gilt das dann auch für Menschen? Mäuse und Ratten haben einen anderen Stoffwechsel und andere Bedürfnisse an ihre Ernährung als Menschen. Derartige Unterschiede werden nicht in Frage gestellt, wenn es beispielsweise um Wiederkäuer wie die Kuh und Fleischfresser wie Katzen geht. Wobei es einer Kuh selbst bei einer rein pflanzlichen Nahrung wie Mais nach einiger Zeit sehr schlecht geht.

Vor allen Spekulationen gilt es aber genau hinzuschauen: was war denn die „high fat“ Ernährung der Ratten in diesen Experimenten? Das normale Futter der Kontrolltiere enthielt 17% Energie in Form von Fett, das fettreiche Futter enthielt 43% Fett. Diese 43% Fett bestanden ausschließlich aus Maisöl, das vorwiegend omega-6 ungesättigte Fettsäuren enthält.

In einer älteren Arbeit derselben Autoren [2] findet sich diese Information prominent in der Überschrift: „Eine mütterliche Ernährung reich an n-6 ungesättigten Fetten verändert die Entwicklung der Brustdrüse, Einsetzen der Pubertät und das Brustkrebsrisiko der weiblichen Nachkommen“. In der Arbeit erklären die Autoren auch, warum sie gerade diese Fettart gewählt haben: im Gegensatz zu omega-6 Fetten “ scheinen omega-3 Fette vor Brustkrebs zu schützen“.

Diese Information verändert die grundlegende Aussage der Arbeit: es ist eben nicht „fettreiche Kost“ generell, die für das erhöhte Brustkrebsrisiko der Nachkommen verantwortlich ist, sondern speziell omega-6 Fett. Das ist im Einklang mit vielen anderen älteren Experimenten, die einen krebsfördernden Effekt speziell von omega-6 Fetten bei Versuchstieren gezeigt haben.

1.    de Assis, S et al (2012) High-fat or ethinyl-oestradiol intake during pregnancy increases mammary cancer risk in several generations of offspring. Nat Commun 3:1053
2.    Hilakivi-Clarke, L et al (1997) A maternal diet high in n – 6 polyunsaturated fats alters mammary gland development, puberty onset, and breast cancer risk among female rat offspring. Proc Natl Acad Sci U S A 94:9372-7

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